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Wer war Josef Greising?

Joseph Greissing wurde am 9. Januar 1664 zu Hohenweiler bei Bregenz in Vorarlberg geboren. Nach einer Zimmermannslehre war er vermutlich in der Schweiz und Südwestdeutschland tätig. 1693 brach er nach Brünn in Mähren auf, wobei der Weg wohl über die Kaiserstadt Wien führte. Er reiste damit in Zentren der Barockbaukunst, in denen man Architektur von höchstem Niveau studieren konnte. Ab 1698 ist er in Würzburg als erster Polier des Stadtzimmermeisters Adam Nick belegt und erhält 1699 dessen Amt. Einen raschen Aufstieg bot ihm die Förderung durch Fürstbischof Johann Philipp von Greiffenclau, der von 1699 bis 1719 regierte. Unter ihm wurde Greissing erst Hofzimmermeister und dann fürstbischöflicher Stadt- und Landbaumeister, also Hofarchitekt. An sich bestimmte er das Bauwesen im Bistum Würzburg aber schon seit Antonio Petrinis Tod 1701. Als Architekt wie als Großbauunternehmer erlangte er bis zum Auftreten Balthasar Neumanns um 1720 quasi Monopolstellung in der Region, die etwa dem heutigen Unterfranken entspricht.

Greissings Stilformen zeigt der ab 1702 errichtete Fürstenbau des Juliusspitals. Musterhaft lässt sich dieser neuartig heitere Zierstil an dem 1704 begonnenen Gartenpavillon im Juliusspital ablesen. Äußerst früh offenbaren sich hier bereits Rokokotendenzen, wie sie später die Werke seines Amtsnachfolgers und Schülers Balthasar Neumann aufweisen. Vorbildhaft für Generationen von Architekten und Zimmermeistern wurden das aufwändig geschweifte Mansarddach dieses Pavillons und die mit Zierrippen belegten Kuppelhauben seiner Türme.

Greissings bedeutendste Leistungen liegen jedoch auf dem Gebiet des Kirchenbaus. Werke wie die Ritterstiftskirche Großcomburg (1707-15) bei Schwäbisch Hall, die nach der Kriegsbeschädigung leider nur vereinfacht wieder aufgebaute Würzburger Peterskirche (1717-21) oder die Neumünsterkuppel bezeugen dies. Seine Schlosskirchen Friesenhausen (1713-15) und Gereuth (1713-17) begründen die große Tradition der barocken mainfränkischen Einturmfassaden. Deren wichtigste, die Abteikirche Theres (1716ff.), wurde im Zuge der Säkularisation 1809 abgebrochen. Hiermit entstand ein gewaltiger Verlust nicht nur in Greissings Werk, sondern auch für den Mainfränkischen Barock, denn der Bautyp „Einturmfassade“ bildet ein Leitmotiv für den mainfränkischen Sakralbau des gesamten 18. Jahrhunderts und einen Anknüpfungspunkt für Neumann.

Ein weiterer Schaffensschwerpunkt waren Klöster. In Ebrach (1715ff.) baute Greissing das erste barocke Kloster Frankens in der äußeren Form eines prächtigen Fürstenschlosses. In seinen Schlossbauten verbindet Greissing fränkische Tradition mit österreichischen sowie französischen Ideen. Burgpreppach (1716ff.), das Würzburger Huttenschlösschen (1719-21) und Burgwindheim (1720ff.) sind die vornehmsten Beispiele. Für die Jesuiten baute er in Würzburg ein Kolleg (1715-19), heute Priesterseminar, dessen Portalrisalit mit seinen theatralisch wirkenden optischen Raffinessen zum Typischsten gehört, was er geschaffen hat. Wie so oft bei seinen Architekturgestaltungen wird hier tiefenräumliche Wirkung mit Hilfe optischer Tricks vorgetäuscht. Sein Rückermainhof (1716-23) in Würzburg knüpft stilistisch an die Deutsche Renaissance an.

Im Schatten seines genialen Schülers und Nachfolgers Neumann stehend, war der als gediegener Architekt anzusehende Greissing bisher kaum erforscht. Unbekannt war sein wesentlicher Einfluss in bautechnischer Hinsicht auf Neumann, gerade im Kuppel- und Gewölbebau. Wegen des Regierungswechsels 1719 von der Position als Architekt des Fürsten verdrängt, arbeitete er dennoch als Architekt für Klöster, Adel und Bürgerschaft sowie als Bauunternehmer für den Hof weiter. Er starb am 12. Dezember 1721 in Würzburg.

Dr. Johannes Mack

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